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Interview mit einem... Künstler
Holger Figge
Kontakt: nc-figgeho2@netcologne.de
Homepage: http://www.holgerfigge.de
Vita
1951 geboren in Wuppertal
Seit 1987 intensive Beschäftigung mit dem Aquarell
Diverse Zeichen- und Malkurse, u.a. bei Hans Köhler und Bernhard Vogel
Zahlreiche Ausstellungen seit 1990
Dozent für Aquarellieren bei VHS und Haus der Familie, Bonn
Seit 2000 Beschäftigung mit Acryl und Mischtechik
Willkommen zum Interview von Holger Figge, ich bedanke mich ganz herzlich für alles, hat mich sehr gefreut ;-)
Die Fragen wurden von Niwi und mir erstellt, eine nette Mischung finde ich!
1) Herr Figge, ihr Stil fällt auf, ich kenne derzeit keinen Künstler, der so malt und arbeitet wie Sie, sind Sie stolz darauf, aus der Menge mit Ihren Bildern auszubrechen?
Da ich mich seit über 20 Jahren mit dem Aquarell beschäftige, hatte ich Zeit, meinen Stil zu entwickeln; einen individuellen Ausdruck, die eigene „Handschrift“ halte ich auch für wichtig. Andererseits muss und will ich wegen meiner Lehrtätigkeit flexibel sein und setze mich mit vielen Aquarelltechniken und Ausdrucksformen auseinander.
2) Sie haben unter anderen bei Bernhard Vogel gelernt, dessen Stil sehr bekannt ist. Wie hat sich Ihr Stil im Laufe der Jahre so
verändert? Würden Sie sagen, dass von Bernhard Vogel noch etwas in Ihren Bildern zu finden ist?
Ich habe, nachdem mein Interesse für das Aquarell durch den Besuch einer Ausstellung in der Kunsthalle Tübingen über Paul Klee – das war Ende der 80er Jahre – geweckt war, mehrere Kurse bei unterschiedlichen Malern und Zeichnern besucht. Davon ist mal mehr, mal weniger „hängen geblieben“. Von Bernhard Vogel habe ich von drei Reisen wertvolle Tipps mitgenommen, die für meine Malerei sehr hilfreich waren, auch wenn dies, wie ich meine, heute kaum noch in meinen Bildern aufzuspüren ist.
Ein anderer Maler, Hans Köhler aus Stuttgart, hat mich auch hinsichtlich meiner eigenen Lehrtätigkeit stark geprägt.
Von Gerhard Almbauer und Peter Tomschiczek habe ich, als ich vor zehn Jahren in Acrylmalerei und Mischtechnik eingestiegen bin, ebenfalls interessante Dinge erfahren können.
3) Herr Figge, Sie geben Kurse in Ihren Atelier, einen davon habe ich jetzt schon besuchen können, was ich sehr interessant fand. Ihr nächster Kurs wird erst wieder in einen halben Jahr stattfinden. Ich würde aber sehr gerne wissen, wie ich mich jetzt weiter an Ihre Technik herantasten könnte? Was empfehlen Sie mir und anderen Schülern?
Ich unterrichte seit 14 Jahren Aquarellieren in Abendkursen in Bonn. Etwa viermal im Jahr führe ich eintägige Atelierkurse zu wechselnden Themen durch. Im September 2010 haben wir uns mit der aquarellierten Federzeichnung beschäftigt.
Um sich hier zu verbessern, empfehle ich zunächst, das Werkzeug Stahlfeder ausgiebig anzuwenden – Ziel ist, eine ausdrucksstarke Tuschfederzeichnung vorzulegen. Sie sollte in der Strichführung abwechslungsreich und interessant in der Linie sein sowie Lebendigkeit besitzen. Wenn ich eine Federzeichnung mit diesen Qualitäten dann mit Aquarellfarbe bearbeite, kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen.
Zu vermeiden ist dabei ein zu genaues Ausmalen der durch den prägnanten Tuschestrich vorgegebenen Flächen. Zusammenfassen und Farbreduktion sind hier wichtige Stichworte.
Wer Interesse an meinen Atelierkursen hat, der sollte hin und wieder auf meiner Website unter „Kurse“ nachschauen. Dort kündige ich sie jeweils rechtzeitig an. Der nächste ist zum Thema „Komposition“ etwa im Januar/Februar 2011 geplant.
4) Aus dem Unterricht bei Ihnen habe ich entnommen, dass Sie kein Freund von Grüntönen sind, ist das richtig?
Manchmal wird behauptet, bei mir läge eine Grünallergie vor. Das stimmt aber so nicht.
Allerdings besitze ich keine grünen Aquarellfarbnäpfchen oder –tuben. Die von den Herstellern angebotenen Töne sind häufig sehr schrill und unnatürlich. Sie werden auch nicht benötigt, da Grünes aller Art sehr lebendig aus diversen Blau- und Gelbtönen gemischt werden können.
Es ist wohl auch so, dass in meinen Bildern Grün eher selten auftaucht. Ich experimentiere sehr gern mit Farbabstraktionen, und es ist oft spannender, wenn eine Landschaft nicht in diversen Grünvarianten, sondern mit anderen Farben, die die Bildaussage unterstreichen, umgesetzt wird.
5) Es wäre spannend zu erfahren, für welche Richtungen Sie sich in der Aquarellmalerei noch interessieren.
Gibt es für Sie Techniken, wo Sie an Ihre Grenzen stoßen, die nichts mehr mit Aquarell zu tun haben?
Meine Kurse haben häufig unterschiedliche Aquarelltechniken zum Thema: Nass-in-Nass, Füll-, Auswaschtechnik, Aquarellskizze und andere. Mein Interesse gilt immer wieder den unterschiedlichen Möglichkeiten, aus einem Motiv ein spannendes Bild zu machen. Insbesondere ist das Ausloten unterschiedlicher Abstraktionsgrade für mich sehr reizvoll. Die vorgenannten oder andere Techniken versuche ich dabei anzuwenden und weiterzuentwickeln. Grenzen sind beim Aquarellieren weit gesteckt. Es ist erlaubt, sie zu überschreiten – am Ende zählt der Erfolg im Ergebnis.
Ich habe, als ich damals mit Acryl anfing, zunächst mit aquarellartigen Lasuren auf Leinwand gemalt und versucht, einiges zu übertragen. Auch so etwas ist möglich und kann interessant sein.
6) Wie sehen Sie eigentlich das Thema konstruktive Kritik unter Künstlern?
Ist es ein "Muss" sich gegenseitig zu helfen oder verzichtet man am liebsten darauf?
Ein „Muss“ ist es nicht, aber sinnvoll und hilfreich. Man ist ja gegenüber seiner eigenen Malerei in gewisser Weise betriebsblind, und ein anderer – das muss gar nicht unbedingt ein Malerkollege sein – entdeckt manchmal etwas, das einem als „Autor“ durchgegangen wäre.
7) Aus Gesprächen vieler Aquarellkünstler wurde die Ansicht vertreten, dass der englische Markt die besten Aquarellbücher besitzt. Sehen Sie das auch so? Wenn ja, was fehlt Ihrer Meinung nach dem deutschen Büchermarkt oder wo liegen die Unterschiede zum englischen Markt?
Ob der englische Markt da besser als der deutsche ist, kann ich nicht beurteilen. Bei uns gibt es eine Unmenge von Literatur zum Aquarell, die meines Erachtens nur zum Teil wirklich weiterhilft. Das Problem ist, dass der Einsteiger nicht wirklich beurteilen kann, welche Tipps gut oder schlecht sind und was ihm weiterhilft.
Generell ist die Hilfestellung durch Bücher aber begrenzt, ein guter Lehrer bzw. eine gute Lehrerin kann individuell auf die Probleme beim Malen eingehen. Das bringt letztlich mehr.
8) Ich schaue mir gerade ihr buntes Tulpenbild auf der Homepage an, tolle Arbeit. Wie entsteht so ein Bild bei Ihnen?
Würden Sie das anhand des Tulpenbildes für uns beschreiben?]
Bei der Tulpenlandschaft in meiner Aquarellgalerie habe ich eine spezielle Technik angewendet. Ich nenne sie Spritztechnik. Dabei wird auf das Blatt eine Wasserpfütze ohne Pigment mit dem Pinsel aufgetragen, zum Beispiel in Form einer Blüte oder eines Blattes. Dann spritze ich mit einem Borstenpinsel Pigment aus dem Farbnäpfchen in diese Pfütze. Teilweise gehen Spritzer auch daneben; das macht nichts und soll so sein. Wenn man genau hinschaut, sieht man das auch in dem Tulpenbild.
Weitere Flächen, auch der Hintergrund, werden ebenso behandelt. Man kann auf diese Weise auch Nass-auf-Trocken arbeiten und Lasuren herstellen. Nur ganz feine Flächen oder Linien werden unmittelbar mit dem Pigment am Pinsel gemalt. Das Ganze sieht dann als fertiges Bild locker und spritzig aus.
9) Herr Figge, eine Frage zu Ihrem Material. Auf was für Papier malen Sie und was für Pinsel benutzen Sie gerne?
Sind Sie auch davon überzeugt, dass gerade das Material eines Aquarellkünstlers nicht zu billig sein darf?
In der Tat sollte das benutzte Material hochwertig sein. Es geht nichts über einen Aquarellpinsel aus Rotmarderhaar. Das wird im direkten Vergleich mit einem aus Kunstfasern sehr deutlich. Die guten Pinsel kann man sich zumindest in den kleineren Größen auch leisten.
Das gleiche gilt prinzipiell für Farben und Papier: Studien- oder Akademiequalitäten benutze ich nicht, weil die Brillanz nicht zufriedenstellt. Ein paar Euro Mehrausgabe für Künstlerqualität lohnt sich.
Als Papier benutze ich ganz überwiegend zwei sehr unterschiedliche: Zum einen das gutwillige und preiswerte Hahnemühle matt 200g, mit dem man im ersten Farbauftrag schöne Verläufe und gute Ergebnisse erzielt, das aber für Lasuren wenig geeignet ist. Zum anderen das baumwollhaltige, sehr schwere Fabriano 640g, auf dem man hervorragend Lasieren kann. Es ist für Anfänger nur bedingt geeignet, da es nicht gerade billig ist und keine Fehler verzeiht.
10) Haben Sie Bilder, die Sie nicht verkaufen würden oder an denen sie besonders hängen?
Welche sind das und warum mögen Sie diese besonders? Möchten Sie diese für uns mal vorstellen?
Ja, es gibt einige Bilder, die ich nicht hergebe. Dafür zwei Beispiele:
Das erste (hier beigefügte) Bild ist ein Stillleben mit Krügen aus dem Jahr 1993, das in extremer Nass-in-Nass – Technik angefertigt wurde. Ich habe während einer Malreise im Tessin nach einem Regenguss bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit gemalt, und die Farbe trocknete nur sehr langsam. Dadurch begünstigt ist mir ein, wie ich meine, sehr harmonisches Aquarell in reduzierter Farbskala gelungen. Es ist übrigens auf dem genannten Hahnemühle-Papier gemalt.
Das zweite (hier beigefügte) Bild mit der Tulpenvase stammt aus dem Jahr 1995. Nach einem zögerlichen Beginn entwickelte sich die Arbeit derart, dass ich mich zu einem frühen Zeitpunkt zum Aufhören entschloss, und das Bild dadurch sehr offen blieb. Es strahlt für mich eine Art von Lockerheit und Reduktion aus, wie sie mir vorher noch nicht gelungen war.
Es gibt noch einige andere Bilder, an denen ich hänge. Es sind solche, bei denen ich das Gefühl habe, einen deutlichen Schritt in meinem malerischen Können weitergekommen zu sein.



Zitat: "Die Dinge sind hier nicht immer das, was sie zu sein scheinen." *grins*
Semper Fi :-)
RE: Holger Figge
in Interview mit einem... Künstler 07.10.2010 16:42von JoachimL • ( Gast )
hallo Herr Figge,
danke für ihre vorstellung. sie haben eine interessante art aquarelle zu malen, die einem ausgeprägt eigenen stil entsprechen.
lg Joachim Lilie
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