Interview mit einem... Künstler

Marcus Stiehl

in Interview mit einem... Künstler 21.01.2010 19:14
von Athena | 3.375 Beiträge

Marcus Stiehl

22.07.1965 IN WIEN GEBOREN
10.09.1979 ERSTES INTERESSE FÜR KUNST
SEIT 07.06.1984 PHOTOREALISTISCHE ÖLBILDER
1981 - 1985 WIENER KUNSTSCHULE BEI MAG. CARER
1985 - 1991 AKADEMIE D. BILD. KÜNSTE BEI PROF. BRAUER.
SEIT 1991 LEHRTÄTIGKEIT AN VOLKSHOCHSCHULEN

Kontakt: mag.stiehl@gmx.at
Homepage: http://www.m-stiehl.at




Hallo Herr Stiehl,
sie sind der Mallehrer von Gabi und nehmen heute an unseren Interview teil, herzlich Willkommen.
Wir stellen Ihnen 10 Fragen rund ums Aquarell, auf gehts!

1) Welches war das entscheidende Ereignis, dass Sie zur Malerei gebracht hat?


Ich bin Maler geworden, weil malen das einzige war, für das ich talent habe und das mich interessiert. Ein besonderes erlebnis hatte ich nicht, das mich maler werden ließ.
vielleicht ist die schönheit und leuchtkraft der ölfarbe daran schuld, die ich mit 7 oder 8 jahren geschenkt bekam, denn die benützte ich leidenschaftlich gerne und mochte auch deren geruch und die konsistenz. wasserfarben, ölkreiden und buntstifte konnten mich als kind nie derart begeistern.
auch bilder von arik brauer, der so um 1972 mit seinen liedern bekannt wurde berührten mich, weil sie so strahlende farben hatten und auf den bildern so viel los war.

2) Sie malen auch mit Öl und Acryl, aber was mögen Sie an Aquarell besonders?

An aquarell gefällt mir, daß strukturen und weiche übergänge von selbst entstehen, wenn ich die passenden voraussetzungen schaffe: die richtige feuchtigkeit, die richtige farbkonzentration und das richtige papier. so kann ich vieles in einem bild mit verhältnismäßig wenig mühe (aber viel erfahrung) erschaffen.
dabei ist dem zufall weniger überlassen als all diejenigen glauben, die nicht gut malen können und meinen es entstünde etwas „schönes irgendwie und unvorhersehbar“.
in öl oder acryl entsteht nichts gutes, ohne daß man es bewußt und willentlich erschafft. strukturen muß ich mühsam malen statt sie entstehen zu lassen. ich kann nichts in die wege leiten und sich selbst überlassen. das hat natürlich auch große vorteile.

3) Aus ihren Bildern ist zu entnehmen, das Sie gerne detalliert malen.
Hat sich das bei Ihnen spontan entwickelt oder üben Sie bewusst?


Detailliert malen zu wollen war für mich von meiner kindheit an ganz selbstverständlich das erstrebenswerte und der sinn der malerei. als ich von malerei noch wenig wußte kam es mir gar nicht in den sinn, daß es auch menschen geben könnte, die nicht möglichst naturgetreu malen möchten. denn aus den museen kannte ich (als kind) nichts anderes.
und auch jetzt hat für mich nur gegenständliche malerei sinn, denn gegenständliche malerei kann alles das, was abstrakte malerei kann und noch viel mehr.

4) Wie lange malen Sie an einen Bild?

Die Zeit, die ich für ein bild brauche kann sehr unterschiedlich sein: aquarelle können 3 stunden oder auch 120 stunden dauern, ölbilder brauchen meist 35 bis 240 stunden. mein aufwändigstes ölbild, eine stadtlandschaft von new york, dauerte etwa 700 stunden.

5) Mit was für Techniken arbeiten Sie an ihren Bildern? Sind Sie experementierfreudig?

Ich male meine aquarelle nicht in einer bestimmten technik, sondern ich wechsle die technik innerhalb eines bildes – oft spontan. meistens beginne ich die größeren flächen naß in naß. dann verfeinere ich das entstandene mit spritzern, punkten, schwamm e.t.c. um unterschiedliche materialien und oberflächenbeschaffenheiten darzustellen.
wenn man meine bilder genau ansieht und selbst ein wenig erfahrung mit aquarellmalerei hat kann man sehr gut erkennen, mit welchen techniken und materialien das bild geschaffen wurde.

6) Sie veranstalten jedes Jahr einen Sommermalkurs in Gmünd, Österreich. Können Sie uns von so einen Tag erzählen?

Der sommermalkurs war die letzten jahre in gmünd – 2010 wird der erste in litschau, der 2. in dürnstein stattfinden. ich habe das erst vor kurzem auf meiner homepage geändert.
ein tag meines sommermalkurses: täglich ist vorgesehen, daß 6 stunden gemalt wird. die gruppe trifft einander beim vorher besprochenen motiv um 9.00. wir malen (auch ich male meistens, damit meine schüler anregungen erhalten und ein wenig zusehen können) bis 12.00. von 12.00 bis 13.00 oder 13.30 ist mittagspause. wir essen gemeinsam und plaudern. dann wird weiter gemalt – je nach lust und wetterlage - wenigstens bis 16.00, manchmal kann es aber auch 18.00 werden.
bei schlechtwetter suche ich ein zimmer in einem gasthof oder hotel, um dort gemeinsam zu malen.
abends gehen wir gemeinsam essen, vielleicht auch zu einem heurigen. doch dazu besteht für niemanden eine verpflichtung: wer mit dem partner angereist ist, verbringt vielleicht die zeit lieber mit ihm oder geht noch wandern, vielleicht auch baden.
ich bemühe mich, daß es für alle teilnehmer nicht nur ein lehrreicher, produktiver malkurs ist sondern auch ein schönes urlaubserlebnis in einer netten gemeinschaft und alle erwartungen übertroffen werden.

7) Erinnern Sie sich noch an ihre komischsten Momente als Kursleiter?
Würden Sie für uns Ihre lustigste Situationen erzählen?


Komische momente als Kursleiter….. da fällt mir fast nichts ein, das nicht unhöflich wäre so öffentlich zu erzählen.
.)recht amüsant fand ich, als eine kursteilnehmerin, die noch nie gemalt hatte in ein wochenendseminar kam und sagte: „dieses wochende muß ich malen lernen. ich kann bei einer ausstellung mitmachen und möchte 3 bilder malen, die ich verkaufen kann.“
.)als ich mit 18 jahren im naturhistorischen museum saß und ein skelett ganz detailreich abzeichnete kam ein kleines kind, sah mir eine zeit lang zu und fragte dann seine mutter: „ mutti, kaufst du mir auch einen bleistift, mit dem man so schön zeichnen kann?“

8) Haben Sie Bilder, die sie nicht verkaufen würden oder an denen sie besonders hängen?
Welche sind das, möchten Sie diese mal vorstellen?


Es gibt ein paar bilder, die ich nicht verkaufen möchte. einerseits sind das bilder, die gut in meine wohnung passen oder durch ihre besonders hohe qualität für mich als maler bei ausstellungen werben sollen. andererseits auch bilder, zu denen ich eine besondere beziehung habe: z.b. jenes bild, das ich zeigte um auf der akademie aufgenommen zu werden, bilder die ich mit bestimmten erlebnissen in meinem privatleben verbinde …
das sind vielleicht 15 ölbilder und 2,3 aquarelle. und die meisten sind auf meiner homepage: http://www.m-stiehl.at zu sehen.

9) Welche Motive sind für Sie malbar und welche nicht? Ist für Sie jedes Foto als Vorlage geeignet?

Es gibt kein motiv, das nicht malbar wäre. aber es stellt sich die frage: was lohnt sich zu malen? das muß jeder künstler für sich selbst beantworten. aber auch manches, das sich nicht als motiv lohnt habe ich schon gemalt, wenn es ein auftrag war.
jedes photo wäre technisch malbar, aber auch da stellt sich die frage: welches photo ist gut und interessant genug, um gemalt zu werden? auch das muß jeder für sich selbst herausfinden. neue motive zu entdecken und eine neue sicht auf die welt sind die herausforderungen an den künstler.

10) Was möchten Sie als Aquarellkünstler gerne noch erreichen?

Als aquarellkünstler wüßte ich kein konkretes ziel, das es zu erreichen gäbe. der weg des künstlers, spannende motive zu finden und diese interessant, qualitativ hochwertig darzustellen ist zugleich das ziel.
ein schönes, dekoratives bild zu malen ist nicht schwer, ein gutes bild hingegen schon.
natürlich male ich möglichst fleißig, dadurch werde ich automatisch immer besser. auch durch das malen von öl, acryl oder die nutzung von airbrush sammle ich erfahrungen, die mich auch als aquarellmaler immer besser machen.






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